Fremde

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Stacheldraht und Fremdenhass

Bigmama / pixelio.de


Nach dem Krieg kamen 12 bis 14 Millionen Vertriebene aus den verlorenen deutschen Ostgebieten in ein völlig verwüstetes und vom Feind besetztes Land. Was war damals der erste Vorwurf, der diesen von Krieg und Flucht zerzausten und verlausten „Horden“ aus dem Osten gemacht wurde? Dass sie ja eigentlich gar keine richtigen Deutschen seien und überhaupt woanders Zuflucht suchen sollten. Danach kam dann das Wirtschaftswunder.
Ich habe keinerlei Verständnis für dass Gejammer der “besorgten Bürger” auf höchstem Niveau. Bisher ist noch niemandem wegen der Flüchtlinge die Rente gekürzt oder die Sozialhilfe gestrichen worden, auch wenn man vielerorts anderes suggeriert. Gerade vom Osten der Republik, ebenso wie von Bayern, bin ich zutiefst enttäuscht, sind dies doch beides Regionen, welche ehedem vor allem für ihre bittere Armut im Reich bekannt waren – bevor die Ausländer kamen, um dort zu investieren.
Ich erinnere mich noch sehr gut an die Realität des rein-weißen Arbeiter- und Bauernstaates (DDR), an dieses nie enden wollende Elend des ewigen Mangels. Der verfaulten Kartoffeln im Konsum und der schokoladenfreien Schokolade im HO. Der Herrschaft des Einmachglases und dem Triumph der Runkelrübe.
Zum Ende des Jahres 2014 habe ich noch in der Nähe von Dresden gearbeitet, und war davor in Leipzig tätig. Schon damals war man dort besonders ausländerfeindlich eingestellt und ich musste mich vorsehen, wo ich da meine braune Haut zu Markte trug. Und das obwohl ich vor Ort fast der einzige „meiner Art“ war, die Plattenautobahn schon lange dem Asphalt gewichen war und sich nun jeder am Sonntag frische Brötchen kaufen kann, ohne dafür erst stundenlang Schlange stehen zu müssen.
Man hasst dort Fremde, weil einem das Misstrauen gegen alle Auswärtigen von Kindesbeinen an so beigebracht wurde. Fremdenhass braucht keine Fremden, um zu wachsen, die braucht er nur, um später noch in Form zu bleiben.

Über die Austauschbarkeit von Feindbildern und Klischees, lesen Sie hier.