Feindbilder

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Die Austauschbarkeit von Feindbildern

Helmut J. Salzer / pixelio.de


War es zu meines Vaters Zeiten der Buschneger, vor dessen Lustattacken keine weiße Frau (ohne ihren männlichen, weißen Beschützter) sicher war, so ist es heute der dunkelhäutige Araber – oder jeder, der auch nur so aussieht – welcher die Angst und den Schrecken des Terrorismus um sich verbreitet. Wobei die westlichen Medien, schon um der Einschaltquoten willen, diese Furcht fleißig mitpropagandieren – ganz wie abgeschrieben aus Veit Harlans Machwerk “Der ewige Jude“.
Wer immer noch an der liebgewonnenen Einzigartigkeit – und damit der vorgeblichen Wahrhaftigkeit – seines Anti-Moslemischen, Anti-Arabischen, Anti-DieSprechenUndSehenAlleSoKomischAus Feindbildes festhalten will, der sehe sich ruhig die Darstellung von Schwarzen in Filmen aus den 50er und 60er Jahren an. Dort wird „der Neger“ nicht nur so genannt, sondern auch durchweg als viehische, von seinen lüsternen Trieben beherrschte Kreatur porträtiert, der man höchstens in seiner Inkarnation als servilem Domestiken den Rücken kehren durfte.
Kein Wissenschaftler, Soziologe, Völkerkundler, Politiker oder Philosoph meiner Kindheitszeit traute Schwarzen so etwas wie echte Zivilisation zu. In keinem Geschichtsbuch meiner Jugend fanden sich irgendwelche Referenzen zu den Königen von Kusch – den nubischen Herrschern des alten Ägyptens, zu Mansa Musa (Musa Keita),einem der reichsten Herrscher aller Zeiten aus dem heutigen Mali, oder den glorreichen Asantehene – den „Herren des Goldes“ aus dem heutigen Ghana. Schwarze galten durchweg als gewalttätige, bestialische und doch feige Wesen, mehr den Tieren des Dschungels denn dem Menschen verwandt.
Ja die amerikanische Verfassung, mit ihrem noblen Anspruch darauf, dass „alle Menschen gleich erschaffen sind“, sah speziell für die eigene schwarze Bevölkerung eine Ausnahme von dieser Regel vor. Und der bei uns auch heute noch oft bewunderte Napoleon führte als eine seiner ersten Regierungsmaßnahmen die Sklaverei auf den westindischen Inseln wieder ein, die unter seinen revolutionären Vorgängern abgeschafft worden war. Daraufhin brach in Haiti eine Revolution aus, die von Napeolon brutalst bekämpft wurde und unter den Folgen jenes Unabhängigkeitskrieges hat das Land bis heute zu leiden. All dies tat jedoch dem Ruf des korsischen “Weltgeists zu Pferde” weder damals noch heute Abbruch – bezeichnenderweise.
Die Klischees sind austauschbar, und wenn ich das eine als falsch erkannt ablehne, dann kann ich nicht das andere bejahen, nur weil dessen offizielle “ad-acta Legung” noch einige Jahrzehnte auf sich warten lässt.

Es gilt eine einfache, aber nichtsdestotrotz schwierige Wahl zu treffen. „Ja“ zu sagen zum Einwanderungsland Deutschland und sich damit die Möglichkeit der Lenkung und der Steuerung zu erhalten und eine Zukunft aufzubauen, in welcher der Neuankömmling erhobenen Hauptes durch die Pforte schreiten kann, dorthin, wo man ihn willkommen heißt.
Oder eine Zukunft der Verlogenheit zu erwählen, in der sich eine Politikergeneration nach der anderen damit brüstet, dass sie noch harscher und unfreundlicher zu „den Fremden“ sein kann als ihre Vorgänger, während ebendiese Fremden immer weiter ins Land strömen aber nun nicht mehr willkommen sind – und somit auf Dauer Fremde bleiben.
Wie diese Realität dann aussehen wird, kann sich jeder der will in den USA anschauen.
In den Barrios der großen Städte wachsen – von Los Angeles bis Chicago – die Kinder von Millionen Immigranten heran, denen man Tag für Tag in Radio, Fernsehen, den Zeitungen und auf der Straße hinterher ruft, ja schreit: „Wir wollen euch hier nicht, ihr dreckigen [HierRassistischesSchimpfwortDerWahlEinsetzen].“ Das Ergebnis ist ebenso hoffnungslos wie vorhersagbar – diese Kids lehnen die sie umgebende bürgerliche Gesellschaft ebenso ab, wie diese sie ablehnt.

Hier und heute wird Deutschland entscheiden, welche dieser zwei Alternativen es für sich wählt – und wird mit den Folgen dieser Entscheidung auf Generationen hinaus leben müssen.

Gedanken zur Frage ob man Fremdenfeindlichkeit überwinden kann, finden sie hier.