Warum wir hassen

Erschafft das Feindbild erst den Hass oder sucht der Hass sich einen Feind, wo er ihn finden kann?

Fußtritt des Hasses

Sokaeiko / pixelio.de


Die da hassen und Hass predigen
Der Hass, den wir mit uns durchs Leben tragen, der ist uns vererbt von unseren Vätern, Müttern und all denen, die vor uns hassten. Während der wache Verstand krampfhaft nach Ausreden, ja Rechtfertigungen für das Unrechtfertigbare sucht – und sie allzu oft in der Gestalt plumpester Vorurteile findet – so ist die Wurzel des Hasses doch nie in der Ratio begründet.
Was sollte denn ein Neonazi auch an mir „rational“ hassen können? Er kennt mich doch gar nicht.
Und wer mich kennt, der mag mich vielleicht nicht, aber wenige die mich kennen würden sich die Mühe machen auch nur einen Schuh – geschweige denn einen Pflasterstein – nach mir zu werfen.

Wie kann es sein, dass jemand wie Horst Mahler erst für linke Terroristen bombt, und hernach fast nahtlos für alte und neue Nazis Hass und Gewalt durch alle Lande trägt?

Wieso sind es die, ehemals christlichen, Konvertiten und die im Westen aufgewachsenen Kinder von muslimischen Migranten, welche den gewaltsamsten Teil des islamischen Terrors darstellen – und eben nicht Menschen, die von Kindheit an in traditionell islamischen Gesellschaften aufwuchsen?
Warum hassen die einander am innigsten, deren Schicksal sie eigentlich als natürliche Verbündete darstellt?
Denn selbst unter den Terroristen sind es vor allem die Kinder der Unterschicht oder solche aus zerrütteten Familien, welche man zu Selbstmordoperationen animiert – während die, zumeist der bürgerlichen Elite entstammende, intellektuelle Führung des Terrors sich wohlweislich im Hintergrund aufhält. Weder Osama bin Laden noch Mullah Omah haben sich eine Dynamitweste umgeschnallt, um den Tod als Märtyrer im Nahkampf zu suchen. Nein, diese Herren starben beide in Reichweite ihrer Fernbedienung, und auch das nicht mal auf eigenen Wunsch.

Adolf Hitler, Heinrich Himmler, Hermann Göring, Josef Stalin, Mao Zedong, Pol Pot all diese Verkünder des edlen Heldentodes haben sich selber bis zuletzt ans Leben geklammert – und sind als Prediger des Hasses wie die Feiglinge krepiert, die sie waren.

Woher kommt der Hass?
Wenn die Regeln des Hasses also nicht die der Ratio sind, wessen sind sie dann?
Woher kommt diese Wut auf „den anderen“, dieses Zuschlagen wollen, der unbändige Wunsch nach Vernichtung eines Gegners den man nicht mal kennt? Als ich mir diese Fragen stelle, da musste ich an die dunklen Geheimnisse meiner eigenen Familie denken, jene Geschichten, die man sich nur hinter vorgehaltener Hand erzählt und tunlichst von allen Außenstehenden fernhält:
  • An meinen afrikanischen Großvater Theo, der wie ein (der damals so verhassten) Libanese(n) aussah, und dessen cholerische Temperamentsumschwünge ihn zugleich berühmt und berüchtigt machten.
  • An meinen deutschen Großvater, dessen Namen ich nicht mal kannte, weil er in einem Krieg kämpfte und starb, dessen großes Ziel es war, die Existenz von einem wie mir auf immer zu verhindern.
  • Und mir kamen all die unterdrückten Bilder meiner eigenen Kindheit wieder in den Sinn, und auf einmal wurde es mir klar.
Wir vererben den Hass auf unsere Kinder, ebenso selbstverständlich wie das Sparbuch und die Briefmarkensammlung. Er pflanzt sich fort von Generation zu Generation, wie ein Wurm im Eingeweide der Menschheit. Er kann das tun, unbehelligt vom grellen Licht der Wahrheit, denn – „über diese Dinge spricht man nicht“.

Mehr über die drei Geschwister – Furcht, Wut und Hass – lesen Sie hier.
Die Furcht vor den dunklen Schatten des eigenen Ich – und die Wut welche aus ihr erwächst – sind die Ursachen des Hasses
Wer hasst, mit dem kann man nicht argumentieren, nicht räsonieren und auch nicht (mehr) verhandeln.
Aber was man vielleicht bewirken kann, ist, dass er diesen Hass mit sich ins Grab nimmt und seinen Kindern eine Welt voll Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit erspart.
Denn was du im Fremden fürchtest, das hat nichts mit dem zu tun, was er dir angetan – denn du kennst „den da“ ja gar nicht. Aber es hat alles damit zu tun, wer dir als Kind die Furcht in deine Seele pflanzte.
Ich will eine Zukunft, in der jeder nach seinen Taten beurteilt wird, und nicht danach wer seine Eltern waren, welcher Rasse, Religion oder welchem Geschlecht man angehört. Um meinen – kleinen – Beitrag zu einer solchen Welt zu leisten, dafür habe ich dieses Buch geschrieben.

Um zu lesen, warum Fremdenhass auch ohne Fremde geht, klicken Sie bitte hier.
Stacheldraht und Fremdenhass

Bigmama / pixelio.de


Nach dem Krieg kamen 12 bis 14 Millionen Vertriebene aus den verlorenen deutschen Ostgebieten in ein völlig verwüstetes und vom Feind besetztes Land. Was war damals der erste Vorwurf, der diesen von Krieg und Flucht zerzausten und verlausten „Horden“ aus dem Osten gemacht wurde? Dass sie ja eigentlich gar keine richtigen Deutschen seien und überhaupt woanders Zuflucht suchen sollten. Danach kam dann das Wirtschaftswunder.
Ich habe keinerlei Verständnis für dass Gejammer der “besorgten Bürger” auf höchstem Niveau. Bisher ist noch niemandem wegen der Flüchtlinge die Rente gekürzt oder die Sozialhilfe gestrichen worden, auch wenn man vielerorts anderes suggeriert. Gerade vom Osten der Republik, ebenso wie von Bayern, bin ich zutiefst enttäuscht, sind dies doch beides Regionen, welche ehedem vor allem für ihre bittere Armut im Reich bekannt waren – bevor die Ausländer kamen, um dort zu investieren.
Ich erinnere mich noch sehr gut an die Realität des rein-weißen Arbeiter- und Bauernstaates (DDR), an dieses nie enden wollende Elend des ewigen Mangels. Der verfaulten Kartoffeln im Konsum und der schokoladenfreien Schokolade im HO. Der Herrschaft des Einmachglases und dem Triumph der Runkelrübe.
Zum Ende des Jahres 2014 habe ich noch in der Nähe von Dresden gearbeitet, und war davor in Leipzig tätig. Schon damals war man dort besonders ausländerfeindlich eingestellt und ich musste mich vorsehen, wo ich da meine braune Haut zu Markte trug. Und das obwohl ich vor Ort fast der einzige „meiner Art“ war, die Plattenautobahn schon lange dem Asphalt gewichen war und sich nun jeder am Sonntag frische Brötchen kaufen kann, ohne dafür erst stundenlang Schlange stehen zu müssen.
Man hasst dort Fremde, weil einem das Misstrauen gegen alle Auswärtigen von Kindesbeinen an so beigebracht wurde. Fremdenhass braucht keine Fremden, um zu wachsen, die braucht er nur, um später noch in Form zu bleiben.

Über die Austauschbarkeit von Feindbildern und Klischees, lesen Sie hier.
Die Austauschbarkeit von Feindbildern

Helmut J. Salzer / pixelio.de


War es zu meines Vaters Zeiten der Buschneger, vor dessen Lustattacken keine weiße Frau (ohne ihren männlichen, weißen Beschützter) sicher war, so ist es heute der dunkelhäutige Araber – oder jeder, der auch nur so aussieht – welcher die Angst und den Schrecken des Terrorismus um sich verbreitet. Wobei die westlichen Medien, schon um der Einschaltquoten willen, diese Furcht fleißig mitpropagandieren – ganz wie abgeschrieben aus Veit Harlans Machwerk “Der ewige Jude“.
Wer immer noch an der liebgewonnenen Einzigartigkeit – und damit der vorgeblichen Wahrhaftigkeit – seines Anti-Moslemischen, Anti-Arabischen, Anti-DieSprechenUndSehenAlleSoKomischAus Feindbildes festhalten will, der sehe sich ruhig die Darstellung von Schwarzen in Filmen aus den 50er und 60er Jahren an. Dort wird „der Neger“ nicht nur so genannt, sondern auch durchweg als viehische, von seinen lüsternen Trieben beherrschte Kreatur porträtiert, der man höchstens in seiner Inkarnation als servilem Domestiken den Rücken kehren durfte.
Kein Wissenschaftler, Soziologe, Völkerkundler, Politiker oder Philosoph meiner Kindheitszeit traute Schwarzen so etwas wie echte Zivilisation zu. In keinem Geschichtsbuch meiner Jugend fanden sich irgendwelche Referenzen zu den Königen von Kusch – den nubischen Herrschern des alten Ägyptens, zu Mansa Musa (Musa Keita),einem der reichsten Herrscher aller Zeiten aus dem heutigen Mali, oder den glorreichen Asantehene – den „Herren des Goldes“ aus dem heutigen Ghana. Schwarze galten durchweg als gewalttätige, bestialische und doch feige Wesen, mehr den Tieren des Dschungels denn dem Menschen verwandt.
Ja die amerikanische Verfassung, mit ihrem noblen Anspruch darauf, dass „alle Menschen gleich erschaffen sind“, sah speziell für die eigene schwarze Bevölkerung eine Ausnahme von dieser Regel vor. Und der bei uns auch heute noch oft bewunderte Napoleon führte als eine seiner ersten Regierungsmaßnahmen die Sklaverei auf den westindischen Inseln wieder ein, die unter seinen revolutionären Vorgängern abgeschafft worden war. Daraufhin brach in Haiti eine Revolution aus, die von Napeolon brutalst bekämpft wurde und unter den Folgen jenes Unabhängigkeitskrieges hat das Land bis heute zu leiden. All dies tat jedoch dem Ruf des korsischen “Weltgeists zu Pferde” weder damals noch heute Abbruch – bezeichnenderweise.
Die Klischees sind austauschbar, und wenn ich das eine als falsch erkannt ablehne, dann kann ich nicht das andere bejahen, nur weil dessen offizielle “ad-acta Legung” noch einige Jahrzehnte auf sich warten lässt.

Es gilt eine einfache, aber nichtsdestotrotz schwierige Wahl zu treffen. „Ja“ zu sagen zum Einwanderungsland Deutschland und sich damit die Möglichkeit der Lenkung und der Steuerung zu erhalten und eine Zukunft aufzubauen, in welcher der Neuankömmling erhobenen Hauptes durch die Pforte schreiten kann, dorthin, wo man ihn willkommen heißt.
Oder eine Zukunft der Verlogenheit zu erwählen, in der sich eine Politikergeneration nach der anderen damit brüstet, dass sie noch harscher und unfreundlicher zu „den Fremden“ sein kann als ihre Vorgänger, während ebendiese Fremden immer weiter ins Land strömen aber nun nicht mehr willkommen sind – und somit auf Dauer Fremde bleiben.
Wie diese Realität dann aussehen wird, kann sich jeder der will in den USA anschauen.
In den Barrios der großen Städte wachsen – von Los Angeles bis Chicago – die Kinder von Millionen Immigranten heran, denen man Tag für Tag in Radio, Fernsehen, den Zeitungen und auf der Straße hinterher ruft, ja schreit: „Wir wollen euch hier nicht, ihr dreckigen [HierRassistischesSchimpfwortDerWahlEinsetzen].“ Das Ergebnis ist ebenso hoffnungslos wie vorhersagbar – diese Kids lehnen die sie umgebende bürgerliche Gesellschaft ebenso ab, wie diese sie ablehnt.

Hier und heute wird Deutschland entscheiden, welche dieser zwei Alternativen es für sich wählt – und wird mit den Folgen dieser Entscheidung auf Generationen hinaus leben müssen.

Gedanken zur Frage ob man Fremdenfeindlichkeit überwinden kann, finden sie hier.
Wie überwindet man den Tod und die Zerstörung?
Gar nicht, denn wer tot ist, der ist tot, und was kaputt ist kaputt.
Der Trick besteht darin, am Leben zu bleiben und dabei möglichst wenig kaputt zu machen.
Hass erzeugt nur Hass und vermehrt sich deshalb wie das Pantoffeltierchen in der feuchtwarmen Kloake.
„Wehret den Anfängen“ ist leicht gesagt, bis der Anfang dann vor der eigenen Türe steht und mit all dem Geschmeichel des versierten Heuchlers um Einlass bittet. Wer den Hass bekämpfen will, der fange bei sich selber an, und nichts ist schwieriger als Monster zu bekämpfen, ohne dabei selber eins zu werden.

Warum ich mich mit den Flüchtlingen identifiziere, erzähle ich hier.
Ich identifiziere mich mit “diesen Menschen”, weil auch ich in meiner Kindheit von meiner weißen Umwelt oft als Bedrohung – als ein Vorbote des Feindes, jener fremdländischen Gefahr – wahrgenommen wurde.
Wenn ich zum Beispiel im Fernsehen sah, wie der weiße Tarzan seine Frau vor bösen Urwaldnegern retten musste, oder wir als Kinder „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ spielten, musste ich dabei immer an meinen Vater denken. Warum man wohl Angst vor ihm haben sollte?

Wie das Deutschland der Zukunft aussehen wird, darüber lesen Sie hier.
Anfang März 2016; Wetter im platten Land Westfalens nördlich des Rheins: Kalt aber züchtig — eine Aussage, die mehr Sinn macht, als der geistige Erguss über welchen ich hernach berichten möchte.

Zu Samsons Zeiten galt eine stattliche Haarpracht als Zeichen ausgeprägter Potenz, daher fragte ich mich, als ich mich heute hier in Rheda auf den Weg zum Frisör machte, in welchem Ansehen damals wohl die Barbiere bei ihren männlichen Kunden standen — denn in Vorbereitung auf mein nächstes Projekt halte ich mich momentan noch in dieser Musterstadt norddeutscher Biedermänner auf. Solch verworrenem Gedankengang zum Trotz war es eine Frau, die mich heute am nachhaltigsten beeindruckte.
Die “magischen Hände” in jenem Frisiersalon hatten zwar allesamt türkische Besitzer, doch waren die junge Mutter und ihr Kind — ein Dreikäsehoch im Vorschulalter, den sie kurz zuvor auf den Kindersitz des Salons platziert hatte — eindeutig germanischen Ursprungs. Und ich sage dies nicht nur weil die kaum 25-jährig erscheinende Frau, ebenso wie der sie begleitende Mann gleichen Alters und ihr gemeinsamer Stammhalter, akzentfreies Deutsch sprachen. Nein, sondern vor allem, weil die leuchtend blonde Erscheinung — sowohl von ihr wie auch die ihres Jungen — dem Hochglanzprospekt eines arischen Herrenmenschenmagazins hätte entsprungen sein können.
Sie bewegte sich mit der unprätentiösen Grazie einer proletarischen Loreley, denn neben den gelben Plastikturnschuhen zu schwarzen Stoffhosen verriet auch ihre sonstige Ausdrucksweise einen “bildungsfernen Hintergrund”, während meine darbende Libido verzweifelt nach der Zeitmaschine suchte, welche mich flugs gute zwei Jahrzehnte jünger machen sollte.
Die gute Frau wollte eine hochgesteckte Ponyfrisur für ihren süßen Sprössling und war sehr darum besorgt, dass jeder Schnitt im Haupthaar ihres Kindes auch richtig platziert sein möge. Ich hatte mittlerweile für meine eigene Kopfrasur direkt neben dem Kleinen Platz genommen und war also nicht überrascht, dass sie mehrmals neben mir auftauchte, um sich in die Regie von Schere und Schneideapparat einzumischen.
Und doch stockte mir der Atem, als eben jener blonde Engel unverbraucht mütterlicher Tugend erneut nach vorne eilte, um dem Frisör beim Zurechtschneiden der Stirnpartie Einhalt zu gebieten: „Halt, nicht so schneiden. Er sieht ja sonst noch aus wie ein Jude“.
Vielleicht habe ich mir die darauf einsetzende beklemmende Stille nur eingebildet, jedenfalls versuchte die junge Mutter ihren Einwand erklärend zu entschuldigen – und machte dadurch alles nur noch schlimmer. Zuerst auf die Stirnpartie ihres Zöglings deutend, zwirbelte sie sich unmittelbar darauf imaginäre Locken entlang der eigenen Schläfen, und meinte, „das sieht ja sonst nachher aus wie bei den Juden. Ich meine, er soll doch gut aussehen, soll doch nicht schlecht ausschauen, mein Junge“. Dabei streichelte ein blonder Engel dem anderen übers Haupt, während mir die Haare geschoren wurden, auch die, die mir mittlerweile schon zu Berge standen.
Nach dem Paradigmenwechsel der Kölner Silvesternacht hatte ich besseres zu tun, als mich mit dem Prototypen des arischen Muttertiers, auf fremden Terrain, in ein Streitgespräch über die Nachhaltigkeit der geistigen Nahrung einzulassen, welche diese dem Spross ihres Schosses da so unverhohlen ins Ohr träufelte. Nur fragte ich mich, was wohl der nächste jüdische Mitschüler des Knaben von diesem zu hören bekommen würde, sollte er es jemals wagen, mit Schläfenlocken zum Unterricht zu erscheinen?
Aber die Frage, die mich am meisten beunruhigte war, ob diese Mutter, die mir plötzlich nur noch proletenhaft und gar nicht mehr betörend schön erschien, bekennende Anti-Semitin oder einfach nur eine praktizierende Ignorantin war. Jedenfalls hatte sie ihrem Jungen an diesem Nachmittag, mit kaum vier Sätzen, ein Geschenk für seinen Weg durchs Leben gegeben, an dem so manch anderer nicht-blonder Mitmensch noch zu knabbern haben dürfte.
Psychologen alter Schule bezichtigen die Liebhaber von Sonnenuntergängen gerne depressiver Neigungen. Eine analytische Steilvorlage, die ich schon deshalb bemerkenswert finde, weil mir gerade diese Tageszeit Refugien der Entspannung bietet, welche mir der lichtdurchflutete Arbeitstag allzu oft vorenthält. Für mich hat das Zwielicht der Dämmerung etwas Exklusives, wenn man es im rechten Rahmen genießt – wie zum Beispiel am Ecktisch der Außenterrasse eines guten Restaurants.
Dort ziehe ich mich dann zurück in den Halbschatten meiner imaginären Loge und genieße das Treiben auf dem Bürgersteig, bei gutem Essen und Trinken, als sei es eine Darbietung der Opera buffa.

Jedenfalls hatte ich mir so den Ausklang meines drittletzten Wochenendes auf dem Projekt vorgestellt, als ich mich an diesem Sonntag zu einem kleinen Ristorante begab, um “beim Italiener” mal wieder so richtig gutes “Manjare” zu kosten. Ich bin hier in einer kleinen Stadt in der norddeutschen Tiefebene untergekommen und so malerisch der weitere Einzugskreis um Oldenburg auch sein kann, die Toskana ist es nicht.

Derart motiviert sprach ich den Kellner an, welcher leider wesentlich weniger italienisch verstand, bzw. war, als ich erhofft hatte. Gleichwohl versuchte ich die Namen der romanischen Speisen so originalgetreu auszusprechen, wie mir dies nach über einem Jahr Abwesenheit, vom Land wo die Zitronen blühen, noch möglich war – denn ich habe diese Sprache während meines Aufenthalts an den Ufern des Arno ebenso lieben gelernt, wie die alte Kultur die sie repräsentiert. So hatten wir zwei zwischen Funghi Porcini und Bistecca a’la Fiorentina ein kurzes tête-à-tête über die Cuisine südlich der Alpen, während mir der freundliche Kellner seine eigene Liebe zum Geburtsland seiner sizilianischen Ex-Frau beichtete.
Am Ende bestellte ich mir das teuerste und beste Stück des Menüs, denn dies sollte eines meiner letzten Wochenenden hier vor Ort sein und ein derartiges “privates Abschiedsessen” gehört nun mal zu meiner eigenen kleinen Ritualsammlung. Am Tisch nebenan saß ein deutsches Pärchen, ein Mann nebst Frau mittleren Alters mit ihren zwei kleinen Kindern, alle weiß und bieder, wie es sich gehört. Jeder von uns schien mit sich selbst beschäftigt, was mir nur recht war und so konzentrierte ich mich auf “meine abendliche Theatervorführung“, welche auf dem Boulevard des Lebens (der Straße) an uns vorbeiflankierte.
Das Pärchen stand auf, sammelte seine Kinder ein und beim Herausgehen, auf der Höhe meines Tisches, sagte die Frau, mit dem selbstverständlichsten Tonfall der Welt, zu ihrem Mann gewandt: „Also das ist hier bald wie in Sachsen-Anhalt mit den ganzen Ausländern, die bekommen immer nur das Beste“. Woraufhin ihr Göttergatte in der gleichen ruhigen Tonlage feststelle: „Ja, bald werden wir hier Bürger zweiter Klasse sein. Die sind dann die Elite und wir dürfen denen nur noch dienen“. So schritten beide in die Nacht hinein und ließen mich ziemlich verwirrt zurück.
Denn ich hatte erst zur Jahresmitte noch ein Projekt im Osten der Republik beendet, daher war für mich die Vorstellung absurd, dass es dort irgendein Bundesland gäbe in dem Ausländer (oder solche die auch nur so aussehen), Deutschen gegenüber bevorzugt behandelt würden. Ganz im Gegenteil, in dem Dorf, wo ich abgestiegen war, musste ich mich schon beim Anstellen an der Eisbude vorsehen, nicht von Thor Steinar Liebhabern (wie wär es mal damit, diese Kleidungsstücke zu verbieten?) unsanft an die Unerwünschtheit meiner Präsenz vor Ort erinnert zu werden.

Daneben hätten die beiden wegen ihrer Impertinenz selbst dann nicht als meine Dienerschaft getaugt, wenn ich mir denn jemals eine solche leisten wollte – etwas was mir schon aus Prinzip zutiefst zuwider ist.
Wodurch, anders als durch mein Aussehen und die paar Brocken Italienisch welche ich mit dem Kellner gewechselt hatte, mochte ich diesen Ausbruch wochenendlicher Depression in den beiden wohl ausgelöst haben?
Brachten an dem Abend wahrlich zwei deutsche Eltern ihre Kinder mit dem Gutenachtgruß zu Bett: „Der halbe Neger da im Restaurant, dem werdet ihr in Zukunft dienen müssen!“ ???

Meine nächsten Tischnachbarn waren danach ein zwar sehr viel älteres, aber ebenso treudeutsches Ehepaar, dieses Mal ohne kindlichen Anhang. Sie war lautstark darum bemüht ihrem Ehemann die intellektuelle Unterlegenheit der Amerikaner zu verdeutlichen, denn ihr neulicher Urlaub „da drüben“ hatte sie offenbar zur Expertin für alles Kulturfragen westlich des Atlantiks gemacht: „Diese Amerikaner, die sind so dämlich, na ja vielleich nicht alle von denen, aber ich habe da in der Auslage im Supermarkt Zeitungen gesehen, wo die davon berichtet haben, dass Elvis lebt und von UFOs und so einem Zeug. Also das lesen diese Amis und glauben das auch noch“.
Offenbar war der guten Frau die eine oder andere Ausgabe der Weekly World News oder eines look-alike davon, unangenehm aufgestoßen, denn entgegen dem Wikipedia Eintrag hierzu, erfreuen sich diese “Nonsense Newspapers” immer noch großer Beliebtheit in den USA.

Doch um des lieben Friedens willens behielt ich meine “schlaue Weisheit” für mich, dass die überwiegende Mehrheit der amerikanischen Leser diese “Zeitungen” als genau das ansieht, als was sie gedacht sind: MAD Magazine für Erwachsene.
Nicht mal ein Hillbilly käme auf die Idee so ein Blättchen einer inhaltlichen Kritik zu würdigen, geschweige denn sich nun flugs auf die Suche nach dem wiederauferstandenen Elvis Costello Presley zu machen.
Zu solchen intellektuellen Großtaten bedarf es schon einer deutschen Touristin auf Besserwissertour.

Was mancher über manch andere zu wissen glaubt, würde alle Meerestiefen dieser Welt zum Überfließen bringen.
Doch was davon wahr ist, könnte hingegen nicht mal einen Fingerhut füllen.
Erneute Klarstellung zu meiner Selbstbezeichnung als “Mischlingskind”.

Leider sehe ich mich aus gegebenem Anlass zu weiteren Erläuterungen diesen Punkt betreffend genötigt. “Leider”, weil ich mit Bestimmtheit nicht einzusehen vermag, warum ich mich (noch immer) zu meinem eigenen Ursprung rechtfertigen sollte.
Immer wieder verirren sich Gutmenschen auf meiner Facebook-Seite, die allen Ernstes darauf bestehen – ohne sich dabei von meinem diesbezüglichen Widerspruch auch nur im geringsten Beindrucken zu lassen – das “wir doch alle nur Menschen seien”, “Mischling ein fürchterlicher Ausdruck wäre” (dessen Gebrauch ich dann auch dementsprechend bitte unterlassen sollte) und für gewöhnlich gipfelt das alles in der Aussage: Man sollte das Vergangene ruhen lassen, um hernach umso fröhlicher in die helle, lichte Zukunft zu schreiten.

Weniger blümerant ausgedrückt: Ich hätte mir meine Autobiografie auch gleich sparen können, Schwamm über 5 Jahrzehnte Lebenserfahrung und so tun als hätte es all dass nicht gegeben.
Ich nehme mal stark an, dass die Eltern und Großeltern jener gut meinenden Gedächtnisbereiniger auch schon 1918 und 1945 sehr aktiv zu Gange waren.
Meine Erwiderung, dass meine gemischtrassige Abstammung nun einmal ebenso eine Tatsache darstellt, wie die damit verbundenen einzigartigen Lebenserfahrungen, welche jemand, der nie in solchen Schuhen lief, gar nicht nachvollziehen kann – selbst wenn er/sie dass wirklich wollte (dass wäre so, als ob ich behauptete, ich wüsste, was es hieße “schwanger” zu sein) – wird dabei gemeinhin ziemlich gönnerhaft abgetan. Frei nach dem Motto, “jetzt stell dich mal nicht so an”.
Ich stelle mich aber so an, und wenn ich im sechsten Jahrzehnt meines Lebens noch immer mit den gleichen rassistischen “Volksweisheiten” konfrontiert werde, die mir bereits am Anfang meines Erdendaseins das Leben zur Hölle machten, dann habe ich mir das Recht verdient “mich so anzustellen”.

Ich bin ein farbiger Afro–Deutscher und wer da behauptet er hätte einen farbenblinden Blick auf alle Menschen, der nimmt mich gar nicht wahr!
An einem sonnigen Dienstagabend steckte ich hinter einer Kolone aus schon in die Jahre gekommenen Wohnwagengespannen auf einer ebenso engen wie unübersichtlichen Landstraße fest. Der zweite Tag meiner ersten Arbeitswoche auf dem neuen Projekt war lang und die noch folgenden dürften kaum kürzer werden. Im Gegensatz zu den in Ehren ergrauten Familienvätern vor mir, welche mühselig genug versuchten ihren ebenfalls nicht mehr ganz neuen Mittelklassewagen ein Zugvermögen zu entlocken, für das diese nie konstruiert worden waren, rührte meine Verzweiflung nicht vom mechanischen Unvermögen meines Gefährts her, als sie vielmehr der Tatsache geschuldet ist, dass der Gedanke an einen weiteren Monat in irgendeinem Hotelzimmer an wieder so einem gottverlassenen Winkel der Welt in mir nicht die geringste Vorfreude auszulösen vermag.

Dafür habe ich nun also studiert und die Nase an den Wochenenden die Bücher statt ins Cocktailglas gesteckt?“ Und wie so oft war die ernüchternde Antwort auf die mir selbst gestellte Frage: „Ja du Trottel – genau dafür!
Just in diesem Moment fuhr auf der freien Gegenspur ein in knallfarbiger Sommermontur gekleideter Mopedfahrer den kleinen Tross entlang, welchen die sonnige Luft zu fröhlicher Lenkerakrobatik anzuspornen schien. Jedenfalls reckte der muntere Sommerfrischler während der gesamten Steigung den dahinkriechenden Autofahrern seinen ausgestreckten Arm mit flacher Hand zu etwas entgegen, dass ich ansonsten nur als “Hitlergruß” kenne. Wohlgemerkt, der Zweiradakrobat hatte weder ein bestimmtes Fahrzeug gegrüßt, noch mit der Hand gewinkt. In einer Posse wie Adolf auf dem Eierbräter fuhr er gemächlich einen nach dem anderen ab und ich fühle mich befleißigt ihn meinerseits mit dem einzigen Gruß zu antworten, zu dem meine denkerlahmte Großhirnrinde sich aufzurappeln imstande war:

Jeder Führergruß verdient zumindest mal den Stinkefinger und so gab ich meinem Mittelfinger gleich reichlich Gelegenheit zurückzugrüßen – ohne dass es den so bedachten auch nur in der geringsten Art angefochten hätte.
Jetzt könnte ich das alles einfach unter der Rubrik “osthessischen Landleben im ehemaligen Zonenrandgebiet” ablegen und gut ist – aber es ist eben nicht gut, nicht mal ansatzweise. Denn ich bin es leid und mag nicht mehr!

Die vergangenen Wochen habe ich als Gast im Hause eines Buchfans zugebracht, der ich auf einer meiner Lesungen begegnet war. Sie ist die Witwe eines ehemals selbst schriftstellerisch tätigen Musikwissenschaftlers, doch leider erwies sich meine Annahme, dass auch der Rest ihrer Verwandschaft aus intellektuellen Geistesgrößen bestünde, als fataler Trugschluss.
Und so gibt es auch hier einen Dibbuk, den Aufhocker in der Nacht, dem Harmonie und “leben und leben lassen” schon deshalb gegen den Strich gehen, weil er mit seiner eigenen Existenz von Grund auf unzufrieden ist. Ihr Schwager Axel war, nach dem frühzeitigen Exodus des Bruders, seinerzeit nicht nur geografisch hinter dem Eisernen Vorhang zurückgeblieben, er konnte auch, trotz zeitweiliger Anstellung im ostdeutschen Kulturbetrieb, nie eigene Erfolge wirtschaftlicher oder akademischer Art vorweisen.
So hat er sich im Laufe der Jahre zum Abziehbild eines Jammer-Ossi entwickelt – und wie das Klischee es verlangt, sieht er überall Verschwörer, die “sein Vaterland” mit Einwanderern überschwemmen, deutsche Frauen „ungestraft von Asylanten belästigen lassen“ und überhaupt „geht die Gefahr für das Vaterland von den Linken aus. Jetzt kann die Rettung für Deutschland nur noch von der nationalen Rechten kommen!

Mit derartigen Hirnlosigkeiten überschüttete dieser geistige Tiefflieger des ewig Gestrigen während meines Aufenthalts uns per E-Mail und am Telefon, sobald er überhaupt Gelegenheit dazu bekam irgendetwas von sich zu geben. Mit seinem Fanatismus in dieser Sache ist der Kerl, als begeisterter AfD Anhänger, eine regelrechte Plage und so bin ich auf seine fremdenfeindliche Korrespondenz, welche er regelmäßig mit der Alternativen Oberrassistin Beatrix von Storch austauscht, sogar unter der literarischen Hinterlassenschaft seines Bruders gestoßen. Ebenso wie er unaufhörlich Werbung für das rechte Propagandaportal Junge Freiheit macht und bei den Telefongesprächen bei denen ich selber Ohrenzeuge war, mit seinen fremdenfeindlichen Tiraden derart unerträglich jedem über den Mund fuhr, dass ich dem Kerl am liebsten eine geklebt hätte. Denn trotz seines fortgeschrittenen Alters, sind Anstand und Respekt vor den Gefühlen anderer ein absolutes Fremdwort für diesen Grobian.

Dieser Unmensch hat es doch tatsächlich fertig gebracht einen Satz wie „ich bin doch kein Rassist, ich war doch mal selbst mit einer Negerin zusammen!“ hinauszuposaunen, ohne dabei auch nur ins Stottern zu geraten.
Als mich die alte Dame eines Tages bat ihr zu helfen, Axels ganzen rechten Unflat aus ihrer Inbox zu entfernen, da war ich ebenso überrascht wie entsetzt, ob der menschenverachtenden Natur des Hasses der sich in jeder seiner Mitteilungen ausdrückte. Dies hier ist lediglich ein kleiner Ausschnitt des rechtsradikalen Propagandamaterials, mit welchem er ungefragt jeden zumüllt, bei dem er damit durch den SPAM-Blocker kommt:
Egal ob Farbige, Ausländer oder Asylsuchende, ob ethnische, religiöse oder sexuelle Minderheiten – jede Gruppe deren Hauptmerkmal die Verwundbarkeit ist, die das Ausgegrenzt sein mit sich bringt, sie alle kriegen bei Axels Massenmailings “ihr Fett weg”.
Ja, ich bin nur aufgrund der Bitte der eigentlichen Adressatin, in ihrer Inbox aufzuräumen, über diesen Dreck gestolpert und wäre das Telefon nicht dauernd auf Lautsprecher geschaltet gewesen, hätte ich wohl auch von seinen gesprochenen Hasstiraden wenig mitbekommen. Aber wie bereits zu Anfang erwähnt – ich bin es leid und mag nicht mehr!
Bei jedem meiner Projekte betreue ich Computersysteme und Server die Millionen € wert sind – jetzt gerade wieder befindet sich die die IT eines der größten Logistikdienstleister Europas in meinen Händen. Wäre ich inkompetent – oder gar noch schlimmer ein böser Terrorist und Übeltäter – dann könnte ich Hunderttausende mit einem Kommandozeilenbefehl von ihren Post- und Materiallieferungen abschneiden und damit Folgekosten für die Volkswirtschaft in einem mehrstelligen Millionenbetrag verursachen. Doch in meinen zwei Jahrzehnten als Systemadministrator in der Großrechner IT ist mir dies noch nie passiert – und dass nach einem Berufsleben, welches drei Kontinente und mehr Länder umspannt, als ich hier aufzuzählen Zeit habe. Und auch dieses Mal arbeite ich mit Kollegen aus allen Teilen der Welt zusammen, gerade jetzt sitzt hinter mir ein schwarzer Einwanderer (Axel aufgepasst, deine schlimmsten Albträume werden war!) aus Eritrea und kümmert sich um die Buchhaltung im System.
Wir “Neger” vermehren das deutsche Bruttosozialprodukt seit mehr als drei Jahrzehnten und ich mag es nicht mehr leiden, dass jeder dahergelaufene Verlierer meint, sein Mütchen straflos an meiner einem kühlen zu dürfen.

Dieser Dresdner Hinterwäldler hat in seinem Leben nichts zu Stande gebracht, außer eine Frau zu schwängern. Mein Vater war Zahnarzt und promovierter Allgemeinmediziner, sein älterer Bruder ist einer der angesehensten Mediziner des Landes und war sogar im Auftrag ihrer Majestät in Übersee tätig. Der jüngere Bruder meines Vaters war Zeit seines Berufslebens Chefingenieur für eine der größten Brauereien der Welt – und das von Lagos bis auf die Bahamas.
In meiner afrikanischen Familie gibt es weder Bettler noch Diebe oder Sozialhilfeempfänger und ich fordere diesen ostdeutschen Lümmel und seine hochnäsig verstorchte Briefreundin öffentlich auf, mir auch nur eine einzige(!) “ihrer” weißen autochthonen Familien zu zeigen, welche der meinige in Fragen von Anstand, Moral oder auch nur einfach persönlich erarbeitetem Erfolg das Wasser reichen könnte.
Ja ich bin ein Mischling und die Hälfte meiner Familie läuft seit jeher schwarz wie die Nacht durchs Leben – und Axel, wir sind alle miteinander besser als du, deine AfD und deine von dir so hoch verehrte Madame Beatrix. Wir haben mehr im Leben geleistet, es weiter gebracht und von dort wo wir die multikulturelle Welt betrachten, da seid ihr einfach nur die politischen Ratten aus der Kanalisation der Gesellschaft.
Ich bewegt euch euer ganzes, vom Rest der Menschheit subventioniertes, Leben verbal in der Gosse weil ihr euch da wohlfühlt. Und noch etwas Axel: Ich war viele Jahrzehnte vor dir steuerzahlender Bürger des freien Teils von Deutschland. Ja wir Farbigen, Schwarzen, Türken, Moslems, Hindus, Asiaten weiss-der-Geier-woher stämmigen MultiKultis – wir alle waren bereits lange vor euch AfD-Ossis hart arbeitende Bürger der Bundesrepublik Deutschland. Wer zum Shaitan hat eigentlich euch Zuspätkommer der Geschichte dazu berechtigt uns, die wir von Anfang an dabei waren, die Tür zu weisen? Was fällt diesen ewig Jammernden eigentlich ein, knapp 20% der bundesdeutschen Bevölkerung zu unerwünschten Elementen zu erklären?

In aller Welt hat es erneut solche die meinen sich aufgrund einer angeblich besonders “edlen Abstammung” über andere als weniger wertvoll erachtete Ethnien und Kulturen – sogar als Teil des eigenen Landes – erheben zu dürfen:
Egal ob Kaczyński in Polen, Orbán in Ungarn, Erdoğan in der Türkei, Putin in Russland oder Trump in Amerika. Auf allen Erdteilen kommen die rechtsnationalen Nager aus dem Versteck, um ihre schmutzigen Beißer am Gerüst einer von gleichgültigen Eliten im Stich gelassenen Gesellschaft zu wetzen. Aber immer noch werden jeden Morgen die Straßen gefegt, wird die Milch geliefert und die Zeitung ausgetragen, arbeiten Millionen ehrlicher Menschen aus aller Herren Länder – weiß, braun, gelb, schwarz und grün gepunktet – einen langen harten Tag um dieses Land und viele andere am Leben zu erhalten. Ich mag es nicht mehr leiden, dass die ewig gestrigen uns dauernd in die Suppe spucken, nie praktikable Lösungen anbieten, sondern immer nur Hass, Hass und wieder Hass predigen. Dauernd nur Zwietracht säen, Uneinigkeit stiften und den einen gegen den anderen hetzen, weil dessen Eltern woanders geboren wurden, oder „der da“ zum lieben Gott in eine andere Himmelsrichtung betet als man selber.
Die Polkappen schmelzen fast noch schneller als unsere vom Negativzins bedrohten Altersrücklagen, alle Welt erbebt im Waffenkaufrausch, Idioten bedrohen uns von vorne mit Terror, von hinten mit dem Überwachungsstaat und von beiden politischen Extremen her mit Gewaltexzessen und Axel nebst Konsorten fällt die ganze Zeit nichts Besseres ein, als jeden der es nicht hören will vor dem bösen Neger in der Nachbarschaft zu warnen?
Wer so dämlich ist, dass er in brauner Haut mehr Gefahr zu erkennen meint, als in brauner Gesinnung, der verdient das nächste 1945 dreimal über. Aber das Land besteht eben nur zu einem Teil aus solch geistigen Dinosauriern und zum überwiegend anderen aus ehrlichen, anständigen Menschen und ich will, dass sich diese Akteure des Guten nicht länger von den Schreihälsen am Rande des Spielfeldes ins Bockshorn jagen lassen. Die Welt gehört denen, die daran arbeiten sie zu verbessern – jeden Tag ein bisschen mehr – und nicht den Nihilisten des Untergangs, welche immer nur die Apokalypse predigen und im Grunde nur Kaputniks sind, die alles um sich herum genauso fertig gemacht sehen wollen, wie sie es selber sind.

Ich will, dass der Hass ebenso geächtet wird wie die, die ihn verbreiten. Ich will, dass ein Mensch nach seinen Taten und nicht nach seiner Herkunft oder der Gruppe welcher man ihn zuordnet, beurteilt wird. Ich bin Richard Fraysier, ein Individuum und kein identitätsloses Stück brauner Haut. “Wir” stecken nicht alle unter einer Decke und gleich aussehen (oder denken) tun wir schon mal gar nicht.