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Was mir momentan an Nichtigem wichtig erscheint im Leben.

Stacheldraht und Fremdenhass

Bigmama / pixelio.de


Nach dem Krieg kamen 12 bis 14 Millionen Vertriebene aus den verlorenen deutschen Ostgebieten in ein völlig verwüstetes und vom Feind besetztes Land. Was war damals der erste Vorwurf, der diesen von Krieg und Flucht zerzausten und verlausten „Horden“ aus dem Osten gemacht wurde? Dass sie ja eigentlich gar keine richtigen Deutschen seien und überhaupt woanders Zuflucht suchen sollten. Danach kam dann das Wirtschaftswunder.
Ich habe keinerlei Verständnis für dass Gejammer der “besorgten Bürger” auf höchstem Niveau. Bisher ist noch niemandem wegen der Flüchtlinge die Rente gekürzt oder die Sozialhilfe gestrichen worden, auch wenn man vielerorts anderes suggeriert. Gerade vom Osten der Republik, ebenso wie von Bayern, bin ich zutiefst enttäuscht, sind dies doch beides Regionen, welche ehedem vor allem für ihre bittere Armut im Reich bekannt waren – bevor die Ausländer kamen, um dort zu investieren.
Ich erinnere mich noch sehr gut an die Realität des rein-weißen Arbeiter- und Bauernstaates (DDR), an dieses nie enden wollende Elend des ewigen Mangels. Der verfaulten Kartoffeln im Konsum und der schokoladenfreien Schokolade im HO. Der Herrschaft des Einmachglases und dem Triumph der Runkelrübe.
Zum Ende des Jahres 2014 habe ich noch in der Nähe von Dresden gearbeitet, und war davor in Leipzig tätig. Schon damals war man dort besonders ausländerfeindlich eingestellt und ich musste mich vorsehen, wo ich da meine braune Haut zu Markte trug. Und das obwohl ich vor Ort fast der einzige „meiner Art“ war, die Plattenautobahn schon lange dem Asphalt gewichen war und sich nun jeder am Sonntag frische Brötchen kaufen kann, ohne dafür erst stundenlang Schlange stehen zu müssen.
Man hasst dort Fremde, weil einem das Misstrauen gegen alle Auswärtigen von Kindesbeinen an so beigebracht wurde. Fremdenhass braucht keine Fremden, um zu wachsen, die braucht er nur, um später noch in Form zu bleiben.

Über die Austauschbarkeit von Feindbildern und Klischees, lesen Sie hier.
Die Austauschbarkeit von Feindbildern

Helmut J. Salzer / pixelio.de


War es zu meines Vaters Zeiten der Buschneger, vor dessen Lustattacken keine weiße Frau (ohne ihren männlichen, weißen Beschützter) sicher war, so ist es heute der dunkelhäutige Araber – oder jeder, der auch nur so aussieht – welcher die Angst und den Schrecken des Terrorismus um sich verbreitet. Wobei die westlichen Medien, schon um der Einschaltquoten willen, diese Furcht fleißig mitpropagandieren – ganz wie abgeschrieben aus Veit Harlans Machwerk “Der ewige Jude“.
Wer immer noch an der liebgewonnenen Einzigartigkeit – und damit der vorgeblichen Wahrhaftigkeit – seines Anti-Moslemischen, Anti-Arabischen, Anti-DieSprechenUndSehenAlleSoKomischAus Feindbildes festhalten will, der sehe sich ruhig die Darstellung von Schwarzen in Filmen aus den 50er und 60er Jahren an. Dort wird „der Neger“ nicht nur so genannt, sondern auch durchweg als viehische, von seinen lüsternen Trieben beherrschte Kreatur porträtiert, der man höchstens in seiner Inkarnation als servilem Domestiken den Rücken kehren durfte.
Kein Wissenschaftler, Soziologe, Völkerkundler, Politiker oder Philosoph meiner Kindheitszeit traute Schwarzen so etwas wie echte Zivilisation zu. In keinem Geschichtsbuch meiner Jugend fanden sich irgendwelche Referenzen zu den Königen von Kusch – den nubischen Herrschern des alten Ägyptens, zu Mansa Musa (Musa Keita),einem der reichsten Herrscher aller Zeiten aus dem heutigen Mali, oder den glorreichen Asantehene – den „Herren des Goldes“ aus dem heutigen Ghana. Schwarze galten durchweg als gewalttätige, bestialische und doch feige Wesen, mehr den Tieren des Dschungels denn dem Menschen verwandt.
Ja die amerikanische Verfassung, mit ihrem noblen Anspruch darauf, dass „alle Menschen gleich erschaffen sind“, sah speziell für die eigene schwarze Bevölkerung eine Ausnahme von dieser Regel vor. Und der bei uns auch heute noch oft bewunderte Napoleon führte als eine seiner ersten Regierungsmaßnahmen die Sklaverei auf den westindischen Inseln wieder ein, die unter seinen revolutionären Vorgängern abgeschafft worden war. Daraufhin brach in Haiti eine Revolution aus, die von Napeolon brutalst bekämpft wurde und unter den Folgen jenes Unabhängigkeitskrieges hat das Land bis heute zu leiden. All dies tat jedoch dem Ruf des korsischen “Weltgeists zu Pferde” weder damals noch heute Abbruch – bezeichnenderweise.
Die Klischees sind austauschbar, und wenn ich das eine als falsch erkannt ablehne, dann kann ich nicht das andere bejahen, nur weil dessen offizielle “ad-acta Legung” noch einige Jahrzehnte auf sich warten lässt.

Es gilt eine einfache, aber nichtsdestotrotz schwierige Wahl zu treffen. „Ja“ zu sagen zum Einwanderungsland Deutschland und sich damit die Möglichkeit der Lenkung und der Steuerung zu erhalten und eine Zukunft aufzubauen, in welcher der Neuankömmling erhobenen Hauptes durch die Pforte schreiten kann, dorthin, wo man ihn willkommen heißt.
Oder eine Zukunft der Verlogenheit zu erwählen, in der sich eine Politikergeneration nach der anderen damit brüstet, dass sie noch harscher und unfreundlicher zu „den Fremden“ sein kann als ihre Vorgänger, während ebendiese Fremden immer weiter ins Land strömen aber nun nicht mehr willkommen sind – und somit auf Dauer Fremde bleiben.
Wie diese Realität dann aussehen wird, kann sich jeder der will in den USA anschauen.
In den Barrios der großen Städte wachsen – von Los Angeles bis Chicago – die Kinder von Millionen Immigranten heran, denen man Tag für Tag in Radio, Fernsehen, den Zeitungen und auf der Straße hinterher ruft, ja schreit: „Wir wollen euch hier nicht, ihr dreckigen [HierRassistischesSchimpfwortDerWahlEinsetzen].“ Das Ergebnis ist ebenso hoffnungslos wie vorhersagbar – diese Kids lehnen die sie umgebende bürgerliche Gesellschaft ebenso ab, wie diese sie ablehnt.

Hier und heute wird Deutschland entscheiden, welche dieser zwei Alternativen es für sich wählt – und wird mit den Folgen dieser Entscheidung auf Generationen hinaus leben müssen.

Gedanken zur Frage ob man Fremdenfeindlichkeit überwinden kann, finden sie hier.
Wie überwindet man den Tod und die Zerstörung?
Gar nicht, denn wer tot ist, der ist tot, und was kaputt ist kaputt.
Der Trick besteht darin, am Leben zu bleiben und dabei möglichst wenig kaputt zu machen.
Hass erzeugt nur Hass und vermehrt sich deshalb wie das Pantoffeltierchen in der feuchtwarmen Kloake.
„Wehret den Anfängen“ ist leicht gesagt, bis der Anfang dann vor der eigenen Türe steht und mit all dem Geschmeichel des versierten Heuchlers um Einlass bittet. Wer den Hass bekämpfen will, der fange bei sich selber an, und nichts ist schwieriger als Monster zu bekämpfen, ohne dabei selber eins zu werden.

Warum ich mich mit den Flüchtlingen identifiziere, erzähle ich hier.
Ezekiel - einer der Schriftpropheten des Tanach

Ezekiel – einer der drei großen Schriftpropheten des Tanach, der hebräischen Bibel und verschleppter Israelit


Deutschland wird – ebenso wie Europa – farbiger werden, und ich fordere jeden bayrischen Weißwurstpatrioten auf, das mal verhindern zu wollen.
Die Menschen wollen iPads aus China, Bananen aus Afrika und Urlaub in der Südsee machen. Man möchte in Europa die Rohstoffe der Erde verfrühstücken, nur die Menschen jener Welt, die sollen bitte draußen bleiben. Das tun sie aber nicht.
Wenn heute immer wieder Vergleiche mit der Völkerwanderung des alten römischen Reiches gezogen werden, dann wird dabei geflissentlich übersehen, dass jene germanischen(!) Stämme, die damals das Imperium Romanum überfluteten, dieses keinesfalls zerstören wollten. Ganz im Gegenteil, diese Völker waren ja gerade vor Krieg und Verwüstung geflohen, und flehten die Kaiser ein ums andere Mal an, sie gleichberechtigte Bürger des Reiches werden zu lassen.
Und jetzt raten Sie mal, wie die römische Oberschicht auf das Erscheinen dieser bettelnden Massen an der Außengrenze des Imperiums reagierte?
Man befestigte die Grenze und begann eine große Fremdenhatz – überall im ganzen Reich wurden „Barbarenfamilien“ mitten in der Nacht aus ihrer römischen Bürgeridylle gerissen, und vom aufgeputschten Mob totgeschlagen.
Was aber glauben Sie, macht einer, dem die Hunnen im Nacken sitzen, während ihm wütende Spießer den Weg versperren? Einfach friedlich kehrtmachen und sich vom Feind abschlachten lassen? Genau dies wird er mit Sicherheit nicht tun. Deshalb wird die deutsche und auch die europäische Zukunft eine multikulturelle und multi-rassische sein – denn die westlichen Eliten hören gleichfalls nicht damit auf, den Angehörigen der Oberschicht der Herkunftsländer jener Elenden dabei zu helfen, die berüchtigten „Fluchtursachen“ beständig zu vermehren.
Militärhilfe an Regime wie die von Pakistan oder Saudi Arabien zu zahlen, macht in etwa so viel Sinn wie Viagra an einen Verein von Vergewaltigern zu stiften. Und in Afrika werden ganze Landstriche von westlichen Großkonzernen und ihren gleichfalls nicht zimperlichen Kollegen aus China brachgelegt, und Millionen von einfachen Farmern dabei heimatlos gemacht.
Ich habe viele Diskussionen über Frei- und Welthandel erlebt, bei denen wuchtige Zahlen herumgeworfen wurden und namhafte Anwaltskanzleien die Interessen ihrer „Corporate Clients“ eloquent vertraten. Aber einen Fürsprecher für Ezekiel (einem der Protagonisten aus meinem Buch) vernahm ich dort nie. Und so frage ich mich, wann auch er die Sachen packen und sich in den Strom des Elends, der nach Norden fließt, einreihen wird – weil seinen Leuten auf Banana Island neben dem Fisch nun auch die Geduld ausgegangen ist.

Um mehr darüber zu lesen, warum ich dieses Buch schrieb, klicken Sie bitte hier.
Ich habe mein Buch geschrieben, weil ich endlich will, dass über den Hass, über die Art, wie er „vererbt“ wird, über Fremdenfeindlichkeit und ihre Ursachen geredet wird. Damit allen klar wird, was für dauerhafte Schäden Politiker, Staatslenker, Kirchenfürsten aber auch Dorflehrer, Straßenbahnschaffner, ja jeder Elternteil mit schnell und gedankenlos dahingeworfenen Floskeln anrichten.
Der Hass, den sie dir in deiner Kindheit beibringen, denn trägst du ein Leben lang mit dir herum – und das kleine Raubtier will raus, um sich in ein großes, menschen- und glückverschlingendes Monster zu verwandeln.
Der Hass wird sich ein Ziel suchen – irgendein Ziel, welches ist ihm dabei ganz egal.
Denn Hass will nichts bewirken, er will nichts aufbauen und auch nichts bewahren.
Was er will, das ist die Welt in Flammen setzen, damit „da draußen“ alles so kaputt aussieht, wie in einem selber innen drin. Dann erst weiß man, dass man im Zuhause der eigenen Seele angekommen ist.

Wo ich gerne sein möchte, erfahren Sie hier.
koreanische Flüchtlinge

Koreanische Kriegsflüchtlinge / Wiki-Commons


Als im Sommer 2015 Angela Merkel, als Mutter der Nation, vor das verunsicherte Volk trat und verkündete „Wir schaffen das!“, und mit „das“ meinte, tausenden von notleidenden Menschen eine menschenwürdige Zukunft zu geben, da war ich einen kurzen Moment lang richtig stolz darauf Deutscher zu sein.
So wie ich vor 9/11 richtig stolz darauf war eingebildeter Amerikaner zu sein.
Aber dann holte uns alle wieder die Realität der Macht und des Machbaren ein. Angela Merkel blieb allein, ja nicht mal aus dem linken Lager bekam sie eindeutige Unterstützung. Alle etablierten Parteien begannen plötzlich wieder Begriffe aus dem Wörterbuch des Unmenschen zu benutzen, da wurde und wird von „Wellen“ und von „Überschwemmung“ geredet. Es wird von „Überforderung“ schwadroniert, und dabei versuche ich noch immer herauszufinden, wer hier von wem Zuviel fordert.
Als es darum ging, die Bänker der westlichen Welt aus deren selbstverschuldeter Misere zu retten, da hatte man Billionen (mit einem ‚B‘) an Euro, Dollar und Pfund innerhalb von Tagen für diese bereitgestellt.
Doch jetzt, da es darum geht, hunderttausende von Menschen zu retten, redet ein jeder nur noch davon, die Fenster und Türen dicht zu machen und die Tore zu verrammeln. Und das nur wenige Wochen vor Weihnachten – dem Fest, welches an das Schicksal des Flüchtlings Jesus Christus erinnern soll. Wissen Sie, woran ich denken muss, wenn ich diese Trecks von gepeinigtem menschlichem Elend sehe?
Ich denke an meine Tante Dora, an Oma Lene und an Großvater Hugo im Kurlandkessel.

Ich glaube immer weniger an die Lernfähigkeit des Menschen, und nähere mich rapide dem Zeitpunkt, wo ich mich dem Statement der geschundenen Kreatur am Ende von Coppolas Film ‘Frankenstein’ anschließen möchte: „I have had enough of man“
Momentan erscheint mir als Siedlungsort Antarktika immer attraktiver – und ich meine das ganz ohne Ironie.

Mehr über den Autor erfahren Sie hier.
Anfang März 2016; Wetter im platten Land Westfalens nördlich des Rheins: Kalt aber züchtig — eine Aussage, die mehr Sinn macht, als der geistige Erguss über welchen ich hernach berichten möchte.

Zu Samsons Zeiten galt eine stattliche Haarpracht als Zeichen ausgeprägter Potenz, daher fragte ich mich, als ich mich heute hier in Rheda auf den Weg zum Frisör machte, in welchem Ansehen damals wohl die Barbiere bei ihren männlichen Kunden standen — denn in Vorbereitung auf mein nächstes Projekt halte ich mich momentan noch in dieser Musterstadt norddeutscher Biedermänner auf. Solch verworrenem Gedankengang zum Trotz war es eine Frau, die mich heute am nachhaltigsten beeindruckte.
Die “magischen Hände” in jenem Frisiersalon hatten zwar allesamt türkische Besitzer, doch waren die junge Mutter und ihr Kind — ein Dreikäsehoch im Vorschulalter, den sie kurz zuvor auf den Kindersitz des Salons platziert hatte — eindeutig germanischen Ursprungs. Und ich sage dies nicht nur weil die kaum 25-jährig erscheinende Frau, ebenso wie der sie begleitende Mann gleichen Alters und ihr gemeinsamer Stammhalter, akzentfreies Deutsch sprachen. Nein, sondern vor allem, weil die leuchtend blonde Erscheinung — sowohl von ihr wie auch die ihres Jungen — dem Hochglanzprospekt eines arischen Herrenmenschenmagazins hätte entsprungen sein können.
Sie bewegte sich mit der unprätentiösen Grazie einer proletarischen Loreley, denn neben den gelben Plastikturnschuhen zu schwarzen Stoffhosen verriet auch ihre sonstige Ausdrucksweise einen “bildungsfernen Hintergrund”, während meine darbende Libido verzweifelt nach der Zeitmaschine suchte, welche mich flugs gute zwei Jahrzehnte jünger machen sollte.
Die gute Frau wollte eine hochgesteckte Ponyfrisur für ihren süßen Sprössling und war sehr darum besorgt, dass jeder Schnitt im Haupthaar ihres Kindes auch richtig platziert sein möge. Ich hatte mittlerweile für meine eigene Kopfrasur direkt neben dem Kleinen Platz genommen und war also nicht überrascht, dass sie mehrmals neben mir auftauchte, um sich in die Regie von Schere und Schneideapparat einzumischen.
Und doch stockte mir der Atem, als eben jener blonde Engel unverbraucht mütterlicher Tugend erneut nach vorne eilte, um dem Frisör beim Zurechtschneiden der Stirnpartie Einhalt zu gebieten: „Halt, nicht so schneiden. Er sieht ja sonst noch aus wie ein Jude“.
Vielleicht habe ich mir die darauf einsetzende beklemmende Stille nur eingebildet, jedenfalls versuchte die junge Mutter ihren Einwand erklärend zu entschuldigen – und machte dadurch alles nur noch schlimmer. Zuerst auf die Stirnpartie ihres Zöglings deutend, zwirbelte sie sich unmittelbar darauf imaginäre Locken entlang der eigenen Schläfen, und meinte, „das sieht ja sonst nachher aus wie bei den Juden. Ich meine, er soll doch gut aussehen, soll doch nicht schlecht ausschauen, mein Junge“. Dabei streichelte ein blonder Engel dem anderen übers Haupt, während mir die Haare geschoren wurden, auch die, die mir mittlerweile schon zu Berge standen.
Nach dem Paradigmenwechsel der Kölner Silvesternacht hatte ich besseres zu tun, als mich mit dem Prototypen des arischen Muttertiers, auf fremden Terrain, in ein Streitgespräch über die Nachhaltigkeit der geistigen Nahrung einzulassen, welche diese dem Spross ihres Schosses da so unverhohlen ins Ohr träufelte. Nur fragte ich mich, was wohl der nächste jüdische Mitschüler des Knaben von diesem zu hören bekommen würde, sollte er es jemals wagen, mit Schläfenlocken zum Unterricht zu erscheinen?
Aber die Frage, die mich am meisten beunruhigte war, ob diese Mutter, die mir plötzlich nur noch proletenhaft und gar nicht mehr betörend schön erschien, bekennende Anti-Semitin oder einfach nur eine praktizierende Ignorantin war. Jedenfalls hatte sie ihrem Jungen an diesem Nachmittag, mit kaum vier Sätzen, ein Geschenk für seinen Weg durchs Leben gegeben, an dem so manch anderer nicht-blonder Mitmensch noch zu knabbern haben dürfte.
Auch wenn gewisse “PöbElnde mitGlieder bIlDungsferner notgemeinschAften” sich von der schreibenden Zunft zu Unrecht verfolgt sehen, so habe ich hinsichtlich dieser Chronisten der “human condition” hier zweifach Gutes zu berichten.
Artikel aus dem Bonner Generalanzeiger: Und sollten sich zufällig einige, jener zuvor erwähnten, fremdenfeindlichen Anhänger des intellektuellen Tiefliegertums auf meine Webseite verirrt haben — was die Zeitung da berichtet ist die lautere Wahrheit, ganz eeehrlich 🙂
Heute Morgen wurde ich auf dem Weg zur Arbeit Zeuge einer jener Gutmenschlichkeiten, die “guild ridden white liberals” des Öfteren begehen, um damit Leuten wie mir einen Gefallen zu tun. In eben solchen Momenten wünsche ich mir immer inständig, dasss man “meiner einem” aus dieser Ecke bitte keine Gefallen mehr (an)tun möge:
Im Radio unterhielten sich zwei Reporter über die guten Vorsätze, zu welchen sie sich, anlässlich des anstehenden Nelson Mandela Days, selbst verpflichten wollten.
Und wie um jedes Klischee, das über “die Lügenpresse” kursiert, Wahrheit zu strafen, posaunte der eine der Beiden lauthals in die Welt hinaus, dass er von nun an, in seinen Berichten und Nachrichtenbeiträgen, das Wort “Rasse” unter allen Umständen vermeiden werde. „Es gibt ja in Wirklichkeit gar keine Rassen, sondern wir sind doch alle nur Menschen.“
„Jawohl!“, pflichtete ihm sein unsichtbares Gegenüber sofort bei, „das Wort ‘Rasse’ ist definitiv eines jener Worte, dass aus unserem Wortschatz entfernt gehört.“
Ich fuhr mit 180 km/h auf der Autobahn, während ich dieser abenteuerlichen Selbstbezichtigung zweier Journalisten lauschte – sonst hätte ich wohl in jenem Moment angefangen, das Radio in meiner Verzweiflung zu würgen. Ein Journalist soll(te) der Wahrheit verpflichtet sein und nichts anderem. Und wer die Tatsache (verbal) ignorieren will, dass sich große Gruppen von Menschen über ihre Ethnie und Hautfarbe definieren, darf sich nicht mehr Berichterstatter der Wahrheit nennen. Und auch wenn die, im Volksmund oft so verbreitete, Gleichsetzung von Hautfarbe, ja oft sogar von Akzent und Religion, mit “Volk & Rasse” ebenso unwissenschaftlich wie unlogisch ist, so ist der daraus resultierende Rassismus nun mal eine absolute Tatsache des täglichen Lebens.
Ich habe mich oft gefragt, welcher Teufel die Erstberichterstatter, über die unseligen Vorgänge der Kölner Silvesternacht, wohl geritten haben mag, in ihren Kommentaren jedweden Bezug zur geografischen Herkunft der Täter zu verschweigen – und damit eben jene Herkunft, bei der unvermeidbar kurz darauf folgenden Enthüllung dieser Umstände, überhaupt erst zum Thema zu machen. Als ob es irgendeinen halbwegs zurechnungsfähigen Migrantenvertreter oder Fürsprecher für die Sache der Flüchtlinge gäbe, der behaupten würde “meiner einer” sei nicht zu einer Straftat fähig.
Nicht-Weiße sind auch nur Menschen und natürlich gibt es auch unter uns jede Menge Leute, die sich nur so lange an die Regeln halten, soweit sie Angst haben müssen, anderweitig erwischt und bestraft zu werden. Wenn man sich dann noch klar macht, dass das deutsche Strafrecht jemandem, der gerade eben erst einer brutalen Diktatur entronnen ist, wohl eher ein müdes Lächeln abringt, so erschrecken mich zwar die Vorfälle von Köln, aber sie sind mir nicht unbegreiflich.
Der beste Greifer um einen straffälligen Migranten zur Rechenschaft zu ziehen, ist ein anderer Migrant – denn auch unter “Eingewanderten” kennt man seine Pappenheimer. Deshalb wäre der beste Weg Silvester- und andere Nächte sicherer zu machen, nicht die deutsche Sprache farblos, sondern die hiesigen Polizeikräfte farbiger zu machen. Soll heißen, mehr Polizeikräfte mit Migrationshintergrund braucht das Land.

Auch ich möchte nicht ausschließlich über meine Hautfarbe definiert werden – aber ich bin nun mal nicht wie alle anderen, meine gemischtrassige Abstammung ist so unverrückbar Teil meiner Persönlichkeit, wie es Auschwitz für einen deutschen Juden ist. Mein ganzes Leben wäre anders verlaufen, wäre ich “weiß” geboren worden – und in der Tat es gibt so gut wie keinen Teil meines Ichs, der nicht von davon berührt ist.
Ja ich will, dass man in mir zuerst den Menschen sieht – aber eben einen Menschen mit Vorfahren aus Deutschland und Afrika, aus Schottland und Ostpreußen, mit Wurzeln in Europa, Afrika und Amerika. All das ist Teil von mir und nichts davon möchte ich missen.
Nur das hasserfüllte Gekreische und Gejohle, die rassistisch motivierten Schimpfwörter und kruden Klischees, die wäre ich gerne los. Ich mag “Kartoffel” als Bezeichnung für meine Mitmenschen ebenso wenig hören, wie “Neger” oder “Polake”.
Aber warum sollte ich etwas dagegen haben, z. B. “Afro-Deutsch” genannt zu werden? Denn schämen werde ich mich meiner afrikanischen Wurzeln nie!
Ein wütender Mann schreit seinen Zorn in die Welt:
„Ich bin arm und alleine und hatte nie Geld!“
Ein Anderer prügelt den Nachbarn, weil ihm sein Gesicht nicht gefällt.
Hass ist ein endloses Feuer, das sich selber erhält.

Wer Hass kennt, der weiß, er fühlt sich warm an und gut
und fließt durch die Adern wie wärmende Glut.
Er strömt aus dem Herzen, direkt in die Faust,
dieselbe mit der du dem Nächsten die Fresse einhaust.

Zwischen Worten und Taten steht oft nur noch die Scham,
die mag der Hass nicht, denn sie macht alt und sehr gram.
Doch wo Weltanschauungen goldene Brücken servieren,
kann man sich schamlos und fröhlich die Schnauzen polieren.

Der Mord und der Totschlag, die zwei kennen sich gut.
Wer tötet, muss heiß oder kalt sein, aber braucht wenig Mut.
Wir marschieren getrennt und schlagen zusammen.
Wir sind Kinder der Wut und im Reigen aus Hass auf ewig gefangen.